Mai 2014 – 5 Jahre Fundraising-Wiki

Artikel:Nichtregierungsorganisation

Aus Fundraising-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Nichtregierungsorganisation (NRO, auch NGO aus engl. Non-Governmental Organization), d. h. eine nichtstaatliche Organisation, ist eine nicht auf Gewinn gerichtete, von staatlichen Stellen weder organisierte noch abhängige Organisation.

In Deutschland ist jede Organisation ohne Gewinnabsicht, bei Vereinen mit anerkannter Gemeinnützigkeit oder auch ohne, eine „nichtstaatliche Organisation“, darunter auch etwa Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Sportvereine oder Organisation. Nichtstaatliche Organisationen, die weltweit aktiv sind, werden als Internationale Nichtregierungsorganisationen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Begriff

Die deutsche Bezeichnung Nichtregierungsorganisation ist angelehnt an den englischen Ausdruck non-governmental organisation (NGO). Teilweise wird auch die inhaltlich zutreffendere Bezeichnung nichtstaatliche Organisation benutzt. Diese Bezeichnung übersetzt den anglo-amerikanischen Terminus governmental präziser, da dort der deutsche Begriff „Regierung“ nicht mit „government“, sondern mit „administration“ gleichzusetzen ist. Unabhängig von dieser sprachlichen Frage hat sich im Deutschen aber weitgehend die englische Abkürzung NGO (Mehrzahl: NGOs) anstelle von NRO durchgesetzt.

Im Englischen werden auch folgende Begriffe verwendet: independent sector, volunteer sector, civic society, grassroots organizations oder transnational social movement organizations, private voluntary organizations, self-help organizations, häufig auch non-state actors (NSAs). Letzterer Begriff ist allerdings weiter gefasst und umschliesst neben NGOs auch transnationale Unternehmen (TNCs) und zum Beispiel kriminelle Vereinigungen. In der britischen Forschung wird NGO auch in Verbindung gebracht mit der global civil society, einer globalen Zivilgesellschaft, z. B. bei Mary Kaldor.

Im herkömmlichen deutschen politischen Sprachgebrauch sind Nichtregierungsorganisationen die Verbände. Im Deutschen wird teils auch vom Dritten Sektor gesprochen. Dieser Begriff geht auf den US-amerikanischen Soziologen Amitai Etzioni zurück.

[Bearbeiten] Geschichte

Nichtstaatliche Organisationen gibt es seit Ausgang des Mittelalters. Ein Beispiel sind Stiftungen, ein weiteres die im 19. Jahrhundert in verschiedenen Ländern gegründeten nationalen Rotkreuz-Gesellschaften. Mit der zunehmenden Globalisierung wurden internationale Organisationen notwendig, die die Grenzen nationalstaatlicher Institutionen überwinden. Politikwissenschaftler sprechen von der Zivilgesellschaft als einer neuen Form der Demokratie. Andererseits leiden nichtstaatliche Organisationen daran, dass ihnen eine demokratische Legitimation fehlt.

Nach den Protesten gegen die Globalisierungsbestrebungen von Politik und Wirtschaft zur Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO in Seattle 1999, EU-Gipfel Göteborg 2001 und der G8-Gipfel in Genua 2001 zeigt sich die zunehmende Bedeutung nichtstaatlicher Organisationen. Sie kommt insbesondere beim Weltsozialforum zum Tragen: Zwischen 50.000 und 100.000 Menschen aus aller Welt erarbeiten dort in 700 Workshops Vorschläge für eine bessere Weltordnung.

[Bearbeiten] Strukturen

Es zeichnet sich ab, dass nichtstaatliche Organisationen nur dann von internationalen Institutionen wie der UNO, der UNESCO, dem Europarat oder der EU-Kommission als solche anerkannt werden, wenn sie

  1. von Bürgern mit gleichen Interessen gegründet wurden, die sich für gemeinsam anerkannte Ziele zusammengeschlossen haben und damit den assoziierten kompetenten Bürger repräsentieren,
  2. demokratisch strukturiert sind und folglich ihre Vorstände wählen,
  3. bei aller für die Erreichung der Vereinsziele erforderlichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht gewinnorientiert arbeiten.

Viele nichtstaatliche Organisationen fordern von der Europäischen Kommission die Schaffung einer Rechtsform „Europäischer Verein“, um so eine der Europäischen Aktiengesellschaft ähnliche gemeinschaftsweite Rechtsfähigkeit zu schaffen.

[Bearbeiten] Typen

Für die verschiedenen Formen von nichtstaatlichen Organisationen haben sich teilweise eigene Fachbegriffe eingebürgert, darunter:

  • Internationale Nichtregierungsorganisation (International Non governmental organisation - INGO), z. B. Amnesty International
  • Wirtschaftsorientierte nichtstaatliche Organisationen (Business-oriented International Non-Governmental Organisation - BINGO), z. B. die Lobbygruppe World Business Council for Sustainable Development (WBCSD)
  • Umweltpolitische nichtstaatliche Organisationen (environmental Non Governmental Organisation - ENGO), z. B. Greenpeace
  • Regierungsgesteuerte Nichtregierungsorganisation (government-organized Non-Government Organisation - GONGO oder Governmentally Regulated and Initiated NGO - GRINGO) – solche Organisationen wurden von Regierungen initiiert, um sie als nichtstaatliche Organisationen erscheinen zu lassen und von deren gutem Ruf profitieren zu können.
  • Quasiautonome nichtstaatliche Organisationen (quasi-autonomous non-governmental organisation - QUANGO), z. B. die Normungsorganisation Internationale Organisation für Normung (ISO)
  • Spender-/geberorganisierte nichtstaatliche Organisationen (Donor-Organized non-governmental organisation - DONGO), z. B. UNICEF

Es existieren verschiedene Klassifikationssysteme für nichtstaatliche Organisationen. Das der Weltbank etwa unterscheidet zwischen operativen und beratenden Organisationen.[1]

[Bearbeiten] Finanzierung

Größere Nichtregierungsorganisationen weisen mitunter Jahresbudgets von mehreren Millionen Euro auf. Der Haushalt der Human Rights Watch etwa umfasste 2003 21,7 Mio. US-Dollar. Haupteinnahmequellen sind neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem auch Spenden, die Erlöse aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen sowie staatliche Zuwendungen.

Anders als der Begriff nahelegt, hängen aber auch viele Nichtregierungsorganisationen in erheblichem Maße von staatlichen Mitteln ab. So wird etwa das 162 Mio. US-Dollar umfassende Budget der Hungerhilfe-Organisation Oxfam zu einem Viertel aus Mitteln des Vereinigten Königreichs sowie der Europäischen Union finanziert.

Weiterhin werden Nichtregierungsorganisationen auch betrieben, um inoffiziell Einfluss auf die Politik und öffentliche Meinung in anderen Ländern zu nehmen. So hat die russische Regierung den USA mehrfach vorgeworfen, etwa die Aufstände in der Ukraine („Orangene Revolution“) und Georgien („Rosenrevolution“) massiv finanziell zu fördern und hat mit dieser Begründung im Jahre 2005 selbst strengere Gesetze für NGOs im eigenen Land erlassen.[2]

[Bearbeiten] Literatur

  • Achim Brunnengräber, Ansgar Klein, und Heike Walk (Hrsg.): NGOs im Prozess der Globalisierung: Mächtige Zwerge - umstrittene Riesen. VS Verlag, Bonn 2005, ISBN 978-3-8100-4092-4.
  • Berthold Kuhn: Entwicklungspolitik zwischen Markt und Staat: Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlicher Organisationen. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 9783-593-37742-1.
  • Adama Sow: Chancen und Risiken von NGOs - Die Gewerkschaften in Guinea während der Unruhen 2007 - EPU Research Papers: Issue 03/07, Stadtschlaining 2007
  • Weltbürger und Lokalpatrioten, Eine Einführung in das Thema Nichtregierungsorganisationen, PD Dr. Volker Heins, Hrsg. Bayerische Landeszentrale für politische Bildung (Bestellnummer A110), 2001, München
  • Greenpeace Magazin (Hrsg.): Das NGO-Handbuch: Non Governmental Organisations. GREENPEACE Media GmbH, Hamburg 2007, ISBN 978-3-9811689-0-7

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Duke University Libraries: World Bank and NGOs
  2. In The National Interest: Russian Legislation Restricting NGO's

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks



Fundraiser

Fundraising Akademie

fundraising-bookmarks

FUNDRAISINGTAGE

Fundraising %26 Sozialmarketing

Soziales InterNet Netz (SINN-X)

Stiftung %26 Sponsoring

united communications